Axel Brümmer & Peter Glöckner
Ohne Hast bis ans Ende der Welt

Axel Brümmer über die Weltreise mit dem Rad
Als die beiden Abenteurer Axel Brümmer und Peter Glöckner 1995 nach fünf Jahren von der ersten Etappe ihrer Weltreise nach Thüringen in Ost-Deutschland zurückkehrten, war ihr altes Land nicht mehr da.

„Wir wollten die Welt entdecken und dabei ganz allein klarkommen. Als Ossis brachten wir ein enormes Improvisationstalent mit.“

Die Mauer fiel 1989, die DDR löste sich ein Jahr später auf und Deutschland war ein neues Land geworden.


Während sie mit dem Fahrrad unglaubliche Geschichten erlebten, wurde in Europa Geschichte geschrieben. Axel Brümmer und Peter Glöckner machten sich auf den Weg und erkundeten die entlegensten Länder der Welt. Unterdessen blickte die ganze Welt gespannt auf das wiedervereinigte Deutschland und den Beginn einer neuen Zeitrechnung.


Axel und Peter kannten sich bis zum Mauerfall nicht, hatten aber durch das gleiche Hobby Felsklettern sowie unbändige Reiselust und eine ähnliche Vita. Dazu kam ein sich überschneidender Freundeskreis. Beide hatten sich bereits als Jugendliche dem Abenteuer in fernen Ländern verschrieben.

Axel Brümmer ist 1967 in Thüringen geboren und arbeitete dort bis 1990 als Heimerzieher. Peter Glöckner wurde 1968 in Sachsen geboren und schloss seine Handwerksausbildung als Schlossers ab. In den Ostblock-Ländern hinter dem Eisernen Vorhang sammelten sie bereits in Jugendjahren – oft illegal – erste Reiseerfahrungen.

Nach dem Fall der Mauer arbeitete Axel in einem Frankfurter Geschäft von Jack Wolfskin Gründer Ulrich Dausien. Dieser erfuhr von den Abenteuerplänen der beiden, den Erdball mit dem Fahrrad umrunden zu wollen, und machte ihnen ein unerwartetes Reisegeschenk. Es war der Beginn einer langen Freundschaft und Zusammenarbeit mit dem Outdoor-Experten.

„Ich arbeitete damals in einem Jack Wolfskin Geschäft. Als Ulrich Dausien von unseren verrückten Plänen erfuhr, bekamen wir unerwartet eine kleine Ausrüstung gesponsort. Das war un-glaublich! Nach fünf Reisejahren war auf fast allen Bildern die Wolfstatze zu sehen. Schließlich entwickelte sich daraus eine enge Freundschaft und Zusammenarbeit.“

Der Drang nach Abenteuern war enorm, die Geldbörsen der beiden fast leer. Doch sie vertrauten ganz ihrer eigenen Kraft. Das Fahrrad stand für eine Freiheit ohne Hast – und verbrauchte keinen Sprit. Der Ökostrom hieß „Schweiß“ und war stets durch Pausen, etwas Schlaf und kleine Mahlzeiten erneuerbar.

Da Axel und Peter auf Jobs angewiesen waren, lernten sie die Menschen in den jeweiligen Ländern im normalen Leben kennen. Sie kamen nicht als Durchreisende oder gar Touristen, sondern waren – wenn auch nur für einen befristeten Moment – ein Teil der jeweiligen Gesellschaft.

„Null ist null überall. Wir hatten wie viele der Menschen auf der Welt auch nur wenig Hab und Gut. Die Arbeit vor Ort brachte uns zudem den Menschen näher. Und sie wiederum respektierten uns für unseren Einsatz. Unsere Armut war ein selbst gewähltes Hobby. Aber in dem Moment waren wir doch alle gleich.“

Die Zusammenarbeit mit Jack Wolfskin wuchs über die Jahre an. Zu einem der ganz großen Highlights zählt dabei das Wolfstock Festival, mit dem sich Jack Wolfskin als Sponsor für weitere Festivals und Sponsoring-Events etablierte. Beim Wolfstock ging es nicht nur um Musik, es wurde auch geklettert, Mountainbike gefahren, gepaddelt und natürlich ausgiebig gefeiert. Neben spannenden Vorträgen wie von Wolfsexperte Christoph Promberger konnte auf dem See das Originalschiff der Shackleton-Expedition von Arved Fuchs besichtigt werden und auch Axel und Peter hielten einen Vortrag über ihre Fahrrad-Abenteuer in einer originalen Jurte. Das enorme Zelt aus festem Filz wurde extra aus Kirgistan eingeflogen. Als es schließlich auf dem Festival zu regnen begann, wurde es kurzerhand zum Partyzelt umgebaut.


Neben dem Fahrrad bewegten die beiden sich auch auf einer selbst gebauten Dschunke und auf einem selbst gebauten Floß fort und der Weg wurde praktisch von allein das Ziel. Die beiden suchten immer den direkten Kontakt zu den Elementen. Sie wollten den Bewohnern ferner Länder persönlich begegnen und nicht einfach nur an ihnen vorbeirauschen. Das authentische Leben besteht vor allem aus Begegnung und dafür braucht es auch Zeit. Ganz ohne Fremdsprachenkenntnisse setzten sie dabei alles auf die Körpersprache und den Augenkontakt.

Das gemeinsame Abenteuer dauerte rund 30 Jahre an und führte sie bis in die entlegensten Ecken der Welt. Am Ende erkundeten die beiden 163 Länder (von heute offiziell 195 Ländern). Mehr als 200.000 Kilometer legten sie dabei mit dem Drahtesel zurück.

Immer wieder kehrten sie nach den ersten fünf Jahren des Nonstop-Reisens für 1-2 Monate im Jahr nach Deutschland zurück und berichteten in ausverkauften Veranstaltungen über ihre vielen Abenteuer. Und sie hatten einiges zu erzählen und als Beweis unzählige Bilder zu präsentieren.

Auf den Spuren Marco Polos etwa durchquerten Axel und Peter einsame Wüsten und wilde Ozeane. Sie erkundeten den mystischen Regenwald Amazoniens und radelten durch Australiens Wüsten. Sie folgten steilen Inkapfaden in den atemberaubenden Anden und paddelten in smaragdgrünen Flüssen, die womöglich noch auf keiner Karte verzeichnet sind.


Die Welt ist unglaublich schön, keine Frage. Bewegt haben Axel und Peter vor allem die Menschen, die sie unterwegs trafen, ihre Lebensfreude, Gastfreundschaft und Menschlichkeit. Sie begegneten zurückhaltenden Eingeborenen, gefährlichen Piraten auf hoher See und vielen wunderbaren Fremden, die nicht selten zu ihren Freunden bis hin zu Familie wurden. Viele Freundschaften halten sogar noch heute an. Sie fanden die Freiheit und das Leben in all ihren Facetten. Angst, Armut und Schmerz waren auch mit dabei. Auch einen Aufenthalt im Gefängnis mussten beide auf der Reise erleben. Es sollte eben ein authentisches Leben werden.

„Wir wurden auch langsam erwachsen. Die viele Armut, so etwa die Straßenkinder in Bolivien, Indonesien oder auch in Indien, bewegte uns sehr. Wir wollten nicht nur reisen, sondern auch helfen.“

Und das taten sie auch. Axel und Peter gründeten Hilfsvereine und sammeln noch heute Spenden. Seit ihrer Weltumradlung unterstützen sie unter anderem drei Kinderheime in Santa Cruz, Bolivien. Sie arbeiten stets mit ehrenamtlichen Helfern vor Ort und achten darauf, dass die Hilfe auch wirklich ankommt. Auch das Thüringer Weltsichten-Festival riefen die beiden vor rund 24 Jahren ins Leben. Ein ganz neues Projekt ist das Reisemuseum in einer alten Schmiede, in dem Schulklassen in spannenden Workshops die Welt aus Abenteuersicht, aber auch aus einem gesellschaftlichen Blickwinkel der Verantwortung nähergebracht werden. Peter Glöckner hat sich seit einiger Zeit zurückgezogen und genießt die Ruhe mit der Familie.

„Wir haben auf unseren Reisen und Abenteuern so viel erhalten. Irgendwann wollten wir auch etwas der Natur und den Menschen zurückgeben.“

Während der Pandemie ist Axel Brümmer kreativ geworden und hat mit engagierten Freunden vom Radzelten e.V. „Sofareisen“ gegründet. Ein Online-Format, bei dem Reisende, Abenteuer und Fotografen im Internet von ihren Erlebnissen erzählen können. Rund 40 Online-Präsentationen gab es bereits, gefolgt von einem großen Spendeneingang.


Wenn man Axel Brümmer so zuhört, wie er mit der Weisheit eines Weltenbummlers und der Faszination eines Kindes die vielen Geschichten erzählt, hat man plötzlich das Gefühl, dass wir alle in der Welt zu Hause sein könnten. Grenzen sind da, haben womöglich die Aufgabe, um friedlich, aber bestimmt überwunden und abgerissen zu werden. Und am Ende der Welt steht auch ein Haus, sagt Axel. Auch da wohnt jemand. Ob man da einfach so klingeln darf?



„Es gibt immer einen Weg. Man muss nur darauf warten können. Unser Geheimnis war stets die Geduld.“

Joseph Akwasi
Gastfreundschaft als Lebensphilosophie

Der Filmemacher Joseph Akwasi entdeckt im Reisen das Freisein von Vorurteilen und eine neue Verbundenheit zu seinen Mit-menschen. Er geht mit offenen Augen durch die Welt und erzählt den Menschen von seiner Heimat Ghana.

„Reisen bedeutet Freiheit. Ich meine aber nicht nur eine äußerliche. Auch der Kopf will frei sein.“

Er lacht und meint es ernst. Der lebensfrohe Mann stammt aus Ghana. Das westafrikanische Land ist berauschend schön und gilt als Erfolgsgeschichte in Afrika. Ghana liegt zwischen Togo und der Elfenbeinküste und bietet eine einmalige tropische Landschaft. An der Küste laden traumhafte Strände zum Entspannen und Surfen ein. Die Menschen in Ghana sind freundlich, herzlich und fast schon auf magische Weise gastfreundschaftlich. Akwaaba bedeutet „willkommen“ und gilt als Lebensphilosophie des Landes. Auch Joseph Akwasi hat diese Lebensweise auf seine ganz besondere Art und Weise verinnerlicht.

Schon als kleiner Junge wollte Joseph reisen. Zuerst lernte er das ganze Landesinnere kennen. Dann reiste er, seinem Idol Nelson Mandela auf der Spur, nach Südafrika und war fasziniert von der diversen Kultur des Landes.

Er radelte sogar durch die Slums von Soweto, das berühmteste Township Südafrikas. Es liegt in Johannesburg und gilt als Synonym für den schwarzen Widerstand während der Apartheid. Joseph besuchte dort das Mandela House, das dem Präsidenten und der Widerstandsikone Nelson Mandela gewidmet ist.

„Ghana von Kopf bis Fuß. Das Land und die Leute sind einfach wunderbar. Der alte Kontinent Afrika bietet unendlich viel!“

Als junger Mann war es aber ein ganz besonderes Erlebnis, welches ihn für immer formen sollte. Im Süden des Landes liegt die berüchtigte „Tür ohne Wiederkehr“. In der Cape Coast Burg führt ein langer, dunkler Kerkergang zu einer Öffnung. Von hier aus wurden damals unzählige Sklaven hindurchgezwängt, gekettet und verschifft.


Er selber ging symbolisch auch hindurch und war wie geblendet durch die Sonne und die hereinbrechenden Wellen des salzigen Meeres auf der anderen Seite. Er gab sich das Wort, Freiheit zu leben und die Rückkehr stets zu ehren. Und er begann zu reisen. In seinen Aufnahmen hält er die vielen Abenteuer-Momente fest.

Er beginnt schnell und gerne Gespräche mit Fremden. “Fremde Freunde”, wie er sie nennt. „Wir sind doch alle irgendwie interessant und wollen uns mal austauschen.“ Manchmal sind es nur kurze Augenblicke des Lächelns, andermal sind es tiefe Gespräche – aber etwas bleibt immer.

Seine Reisen dokumentiert er mit seiner Kamera und teilt sie auf den sozialen Medien. Viele seiner Freunde und Familienmitglieder haben nicht die Möglichkeit die Welt wie er zu erforschen. Er ist sich seines Glücks bewusst.

Sogar das renommierte Berlinale Filmfestival ist bereits auf den Filmemacher aufmerksam geworden und gab ihm im Bereich Young Talents eine erste Plattform in Durban, Südafrika. Auch an der erfolgreichen Social Media Kampagne GOBACKPACK von Jack Wolfskin nahm Joseph 2017 teil, mit einem sehr persönlichen Beitrag, der den Initiatoren besonders in Erinnerung geblieben ist.

Joseph’s life long journey

„Nach jeder Reise und jedem neuen Projekt kehre ich immer zurück nach Ghana. Eine Heimat zu haben, ist etwas ganz Großes im Leben.“

Wenn Joseph von seinen spannenden Reisen heimkehrt, wird mit großer Freude gefeiert. Die Kinder sind dann schon ganz aufgeregt. Denn sie wissen, dass am Abend alle Geschichten und Abenteuer, alle Eindrücke und Erlebnisse, die Joseph auf seinen Reisen erlebt hat, ausführlich in Worten und Bildern geteilt werden. Mit großen Augen und ganz still sitzen die Kleinen dann um Joseph Akwasi herum und träumen vielleicht selber von ganz großen Abenteuern in fernen Ländern.


Wenn Kinder ihn mal fragen, worin er seine Zeit investieren würde, dann rät er ihnen zu reisen und die Welt zu erkunden. Das weitet den Horizont und öffnet das Herz.

„Es geht auch darum, frei von vorgefassten Meinungen zu sein. Er wenn man frei ist, kann man sich auf neue Geschichte und Menschen auf einlassen.“

Peter Wohlleben
Über das geheime Leben der Bäume und unkaputtbare Schlafsäcke

Peter Wohlleben ist Autor und aktuell der wohl bekannteste Förster der Welt. Mit seinen Büchern erreicht er ein Millionenpublikum. In „Das geheime Leben der Bäume“ fordert er zum Umdenken auf und kritisiert seinen eigenen Berufsstand, die Forstwirtschaft.

Sein Buch wurde seit 2015 allein in Deutschland über eine Million mal verkauft, in über 40 Sprachen übersetzt und auf der ganzen Welt ein Bestseller. Im vergangenen Jahr wurde der Titel fürs Kino verfilmt. Der SWR räumte ihm ein eigenes TV-Format mit Prominenten (“Der mit dem Wald spricht”) ein und längst ist Wohlleben selbst gern gesehener Talkgast bei Markus Lanz und Co.

Uns verriet Peter Wohlleben im Interview nicht nur Geheimnisse über Bäume. Er erklärte auch, warum wir die Natur gar nicht zerstören können, so sehr wir uns auch bemühen, und wie ein 22 Jahre alter Schlafsack zum nachhaltigen Überlebenshelfer wurde.

„Menschen fühlen sich überall auf der Erde, (…) zu Bäumen hingezogen.“

Wie haben Sie sich damals das plötzliche Interesse am Wald und den Erfolg Ihres Titel „Das geheime Leben der Bäume“ erklärt – damit hatten Sie gar nicht gerechnet, wenn ich das richtig verstanden habe?

Das stimmt! Die Resonanz der Medien war zu Anfang auch nicht besonders groß. Deshalb kann man nicht sagen, dass der Trend in der Luft lag, sonst hätten die sicher gleich angebissen. Grundsätzlich haben Menschen aber eine tiefe Beziehung zu Bäumen, das liegt zum einen am Holz, das wir seit jeher als Brennmaterial zum Kochen verwenden. Zum anderen entspannt sich der Körper in der Nähe von Bäumen, der Blutdruck sinkt messbar. Das ist ein globales Phänomen.


Das heißt, die Deutschen sind keine besonderen Waldromantiker, wie sie immer gerne behaupten?

Nein. Menschen fühlen sich überall auf der Erde, selbst in Ländern, in denen es praktisch keine Wälder gibt wie Israel oder Island, zu Bäumen hingezogen. Unsere Vorfahren, ob Germanen oder Kelten, haben schon Bäume verehrt. Bis heute gibt es besondere Exemplare und Wunschbäume auf der ganzen Welt. Einige sind regelrechte Pilgerstätten, wie zum Beispiel die uralten Ivenacker Eichen in Mecklenburg-Vorpommern. Eine kulturelle oder auch religiöse Verbindung zwischen Menschen und Bäumen zieht sich wie ein roter Faden bis heute durch die Geschichte. Und trotzdem war der Erfolg meines Buches eine Überraschung. Es hat den Trend der Waldbücher überhaupt erst ausgelöst.


Auch Freizeitaktivitäten wie das japanische Shinrin Yoku, also das Baden in der Waldatmosphäre, gewinnen stetig Anhänger.

Genau, die positive Wirkung von Waldbaden wurde auch wissenschaftlich untermauert.




Sie selbst sind als Förster im Wald zu Hause. In Ihren Werken kritisieren Sie Ihren eigenen Berufsstand aber stark, vergleichen ihn sogar mit Massentierhaltung – können Sie diese Analogie erklären?

Öffentliche Wälder dürfen die Holzerzeugung eigentlich nicht in den Vordergrund stellen, sondern stattdessen den Naturschutz und die Erholung. So hat es das Bundesverfassungsgericht schon mehrfach festgesetzt. In Deutschland haben Förster die Wälder aber größtenteils in Plantagen umgewandelt. Deshalb ist der deutsche Wald in einem schlechten Zustand und sehr empfindlich für Veränderungen durch den Klimawandel.

Eigentlich starten Bäume sehr langsam, sie sind in den ersten Jahren und auch Jahrhunderten sehr klein, wachsen zunächst gemächlich und werden spät erst groß und dann sehr alt. Bei uns aber werden Bäume in Reih und Glied gepflanzt. Oft sind es Fichten, Kiefern, Douglasien und Lärchen, Roteichen und Esskastanien, die in Deutschland vielerorts nicht einmal heimisch sind.

Das hat mit Wald nichts zu tun. Die Bäume sind alle gleich alt und kommen aus der Baumschule, das heißt, sie wurden gezüchtet und werden nach relativ kurzer Zeit geerntet. Im Schnitt werden sie nicht älter als 78 Jahre. Von Natur aus können die meisten unserer heimischen Baumarten aber ein halbes Jahrtausend und älter werden. Es gibt zwar noch einzelne sehr alte Bäume hier, in Parks zum Beispiel, aber Wälder, in denen Bäume 500 Jahre und älter werden, gibt es keine mehr bei uns.

„Es gibt in Deutschland wirklich keinen einzigen Urwald mehr.“

Was ist mit dem Schwarzwald, dem Erzgebirge, mit Thüringen oder dem Bayrischen Wald?

Der Bayrische Wald ist zu großen Teilen eine Nadelholzplantage, die man im Nationalpark nun bewusst hat kaputtgehen lassen. Daraus entwickelt sich jetzt, nach 50 Jahren, wieder ein natürlicher Wald – was aber Jahrhunderte dauert. Es gibt in Deutschland wirklich keinen einzigen Urwald mehr.


Sie sagen, die kleinen Bäume aus den Baumschulen werden bereits mit gekappten Wurzeln verpflanzt, verankern sich entsprechend nicht so tief und fest in der Erde und sind von vorneherein nicht für ein langes Leben angelegt. Sie wachsen schneller und dicker heran und werden entsprechend früh „geschlachtet“.

Ja. Daher die Analogie zur Massentierhaltung. In der Schweinezucht werden die Tiere ja auch nur sechs Monate alt und nicht zehn Jahre. So junge Bäume haben übrigens auch nichts gelernt. Dabei sind Bäume in der Lage zu lernen!


Inwiefern?

Gerade bei den oben erwähnten tausendjährigen Eichen in Ivenack hat man festgestellt, dass sie lernen. Über epigenetische Prozesse verändern sie ihre Gene und geben diese auch in veränderter Form an ihre Nachkommen weiter. Aber eben in Baumgeschwindigkeit, so wie die Ents in „Herr der Ringe“, die brauchen einfach Zeit, Wälder brauchen Zeit. Die heutige Forstwirtschaft aber sagt, unsere Plantagen gehen ein, hacken wir sie ab, pflanzen wir was anderes drauf. Und genau das hält uns in der Schleife fest.



Lernen dann im Umkehrschluss auch nicht bei uns beheimatete Kiefern, Fichten und Co. sich hier anzupassen und zu überleben? Oder ist dieser Punkt noch nicht erreicht?

Ich liebe nordische Fichtenwälder! Doch auch bei Baumarten gibt es eine Anpassungsgrenze. Diese Nadelhölzer sind Taiga-Baumarten, denen es hier prinzipiell viel zu warm und trocken ist. Sie gehören nach Schweden, Norwegen, Finnland, Russland und vielleicht noch in die Hochlagen der Alpen. Ansonsten verhält es sich so ähnlich, als würden Sie hier Kokospalmen anbauen und jeden Winter traurig sein, wenn die hier erfrieren – das ist einfach keine gute Idee.

„Wälder brauchen Zeit.“

Wenn Sie sagen, natürliche Wälder sind Superorganismen, was ist dann das, was wir hier haben? Fristen unsere Baumplantagen nur ein ewiges Nebeneinander und werden niemals eins?

Das ist so, als würde man eine blühende Wiese mit einem Maisfeld vergleichen. Beides ist Gras, aber das Maisfeld ist eben ganz schön öde. Die gute Nachricht ist, dass das alles zurückkommen kann. Wenn wir unsere Finger herauslassen und nicht hektisch Bäume pflanzen. Niemand weiß, welche Bäume jetzt am besten funktionieren. Der Wald kann sich selbst einpendeln, aber man muss ihn jetzt einfach großflächig in Ruhe lassen. 

Aktuell schauen wir nur auf die Holznutzung. Viel entscheidender ist aber die Klimaleistung. Nicht nur das Speichern von CO2, Wälder können sich im Sommer um zehn Grad herunterkühlen. Wenn auf einer Wiese 40 Grad Celsius sind, sind es in einem intakten, alten Wald nur 30, da Bäume viel Wasser verdunsten und es gleichzeitig über solchen Wäldern signifikant mehr regnet. Es ist ein richtiger Wasserkreislauf, der in Gang kommt und auch die umliegenden Siedlungsflächen kühlt. Das ist der Schlüssel zum Thema Klimawandel. Aber wie gesagt, man muss den Wald sein und machen lassen.


Sie setzen sich auch gegen die Abholzung gestorbener Wälder ein und sagen auch hier: Abwarten sei das Gebot der Stunde, dann komme der neue Laubwald kostenlos um die Ecke. Aber warum fällt uns das Abwarten offensichtlich so schwer? Können wir den Verfall nicht mitansehen? Falscher Tatendrang? Sie sind kein Psychologe, haben aber doch bestimmt eine Theorie dazu.

Ja, ich denke, das liegt daran, dass der Mensch ein Macher ist. Wir wollen etwas tun und darauf stolz sein. Und das klappt nicht so gut, indem man etwas lässt. Wir wollen aktiv sein. Man sieht das aktuell gut in der Politik. Alle Menschen wollen den Wald retten und dazu etwas tun. Ich bekomme sehr viele Anfragen, die lauten: Können wir nicht mit Ihnen Bäume pflanzen? Aber wir pflanzen keine Bäume, das bringt zumindest in Deutschland nichts. Wenn Sie Wald haben wollen, müssen Sie eine Fläche unter Schutz stellen und sie in Ruhe lassen. Das wiederum will keiner, denn dazu gibt es dann weder eine gute Geschichte noch wirksame Bilder. Wenn man sich solche Flächen in einem Zeitraum von 20 Jahren beispielsweise auf Google Earth anschaut, kann man wirklich eine Veränderung sehen und dokumentieren – aber eben nicht sofort. Das ist es aber, was wir heutzutage erwarten: Wenn wir etwas Gutes tun, muss das spätestens nach drei Wochen im Kasten sein. Aber so funktioniert Natur leider nicht.




Und die Forstwirtschaft drängt sicher aufs Produkt. Holz und Papier sind ja wichtige Güter in unserer Welt, vom Bau bis zum Buch, wie kann man hier gewissenhafter und ökologischer wirtschaften?

Grundsätzlich funktioniert der Waldboden wie ein Schwamm. Schwere Maschinen wie Harvester fahren den Bäumen im Wald allerdings buchstäblich den Tank platt. Und einmal plattgefahren, richtet sich der Boden nicht mehr auf. Ein befahrener Untergrund speichert bis zu 95 Prozent weniger Wasser als zuvor. Winterniederschläge können nicht mehr aufgenommen und gespeichert werden. Ist ein Baum auf die wenigen Sommerregen angewiesen, lebt er im übertragenen Sinne von der Hand in den Mund. Irgendwann hört der Baum auf zu wachsen. Aufgrund solcher Begleitschäden sind Maschinen auf lange Sicht sehr viel teurer, als würde man Pferde einsetzen. Diese ziehen das Holz aus dem Wald bis zum Weg, auf dem wieder Maschinen arbeiten können. Aber das klingt unmodern. Alles, was nicht technisch ist, mutet rückständisch an. In Wirklichkeit ist es genau andersherum.

„Diese Handlungsrichtung müsste umgekehrt sein, sodass man dem Ökosystem nur so viel Holz entnimmt, dass man es nicht beschädigt. Und das wäre sehr viel weniger.“

Ist Holz auch zu billig?

Ja. Holz ist nicht nur ein schöner, sondern leider auch ein schmutziger Rohstoff. Erst vor ein paar Tagen ist erneut eine Petition von WissenschaftlerInnen unterschiedlicher Fachbereiche veröffentlicht worden, die sich einig sind, dass Holz schädlich fürs Klima ist. Die Mär unserer Holzverkäufer lautet, dass Holz CO2-neutral sei, aber das ist es nicht. Diese Theorie ist schon seit rund 10 Jahren widerlegt. Wir müssen sparsamer damit umgehen. Das kann man über eine CO2-Steuer auf Holz oder der den Bedarf regulieren. Aktuell produziert die Forstwirtschaft so viel Holz, wie gebraucht wird. Diese Handlungsrichtung müsste umgekehrt sein, sodass man dem Ökosystem nur so viel Holz entnimmt, dass man es nicht beschädigt. Und das wäre sehr viel weniger.


In Ihrem Buch erklären Sie außerdem, Baum sei nicht gleich Baum. Es wäre ratsam zu schauen, welche Bäume man erntet und verbraucht. Je nachdem welches Alter die Bäume haben, aber auch in welchen Gruppen sie zusammenstehen. Bäume seien nämlich empfindsame und soziale Wesen, die sowohl miteinander kommunizieren, als auch Schmerz wahrnehmen können, wenn sie beispielsweise von Parasiten heimgesucht werden. Ist das im übertragenen Sinne zu verstehen?

Dem Stand der aktuellen Forschung, zum Beispiel an der Universität Bonn zufolge, ist das für Pflanzen möglicherweise wortwörtlich zu verstehen. Das mag man vielleicht nicht gerne hören, erst haben Tiere Gefühle und jetzt auch noch Bäume. Bei vielen hört die Empathie bereits bei Fliegen auf. Aber das ist Wissenschaft. Und dieses Schmerzempfinden der Pflanzen lässt sich messen. Wenn sich ein Käfer in die Rinde eines Baumes bohrt, werden ein elektrisches Signal und eine chemische Abwehrreaktion erzeugt. Das alleine könnte auch ein Reflex sein. Allerdings produzieren Pflanzen in bestimmten Situationen zudem schmerzunterdrückende Substanzen, ebenso wie wir Menschen, um bei einem Unfall bei Bewusstsein bzw. entscheidungsfähig zu bleiben. Pflanzen besitzen keine Neuronen, aber aus chemischer Perspektive sind diese Prozesse teilweise identisch, sodass man daraus schließen kann, dass Pflanzen so etwas wie ein Bewusstsein haben.


„Ob wir Salat töten oder ein Schwein ist rein biologisch kein großer Unterschied.

Wenn man das weiterspielt, was ist dann zum Beispiel mit Schnittblumen, Weihnachtsbäumen oder Gemüse? Müssen wir uns von all dem verabschieden und dürfen nur noch Fallobst essen?

Man denkt automatisch immer an Verbote und Verzicht: Wenn Pflanzen zu so etwas in der Lage sind, was darf ich dann nicht mehr? Aber wir sind ja auch in anderen Dingen relativ rücksichtslos. Jedes Tier braucht fremde organische Substanzen, um sich zu ernähren, wir auch. Ob wir Salat töten oder ein Schwein ist rein biologisch kein großer Unterschied. Ich esse allerdings kein Fleisch mehr, nicht nur wegen der Tiere, sondern auch wegen der Waldflächen, die für Tierfutter gerodet werden.


Aber was könnte die Konsequenz sein, wenn man hieraus eine ableiten möchte? Würden Sie an der Hierarchie unter Pflanzen, Tieren und Menschen etwas ändern?

Die Konsequenz sollte sein, dass man mit allem etwas rücksichtsvoller umgeht. Dass man sagt: Überall dort, wo es nicht notwendig ist, beeinträchtige ich andere Lebensformen nicht. Dort, wo es nötig ist, mache ich es so rücksichtsvoll wie möglich. Womit wir wieder bei ökologischer Wald- und Landwirtschaft und einer artgerechten Tierhaltung wären. Wir müssen mit allem respektvoller umgehen.

Das, was man braucht oder sich nimmt, sollte man hingegen guten Gewissens genießen, ob es die Kaminwärme ist, wenn man einen Scheidt Holz ins Feuer legt oder das Lieblingsmagazin, in dem man blättert. Aber Werbezettel, die kein Mensch angefordert hat, Billigmöbel oder auch Kohlekraftwerke, die auf Holzpellets umgerüstet werden sollen und für die Umwelt viel schädlicher sind – das ist Irrsinn, der nicht sein muss.


Eine ihrer beruhigendsten Aussagen lautet dennoch, der Mensch könne die Natur gar nicht zerstören. Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Aber vermittelt es nicht auch umgekehrt, man könne so weitermachen wie bisher, ohne Rücksicht auf Verluste?

Der Mensch kann die Natur nicht zerstören, das stimmt. Im großen Stil sowieso nicht. In 10-100 Millionen Jahren spielt es gar keine Rolle mehr, was wir heutzutage machen. Die meisten Arten gibt es dann zwar nicht mehr, stattdessen aber Millionen von neuen Arten. Natur ist Veränderung, man kann nichts festhalten. Um einzelne Arten ist das sicher sehr schade, vor allem um unsere eigene. Und das ist genau der Punkt. Unsere ökologische Nische nämlich zertrümmern wir ganz gewaltig. Einmal ausgestorben kommen einzelne Arten nicht wieder, Ökosysteme aber schon. Wenn wir unseres aber zu weit runterfahren, ist es für uns selbst zu spät. Es ist wie bei Raubtieren, und der Mensch ist letztlich auch eines, die ihre Beute niemals ausrotten können. Bevor das letzte Stück gefressen ist, ist die Population längst verhungert. Ein Wolfsrudel könnte zum Beispiel niemals den Wildbestand ausrotten, es würde vorher verhungern. Genau das würde auch uns passieren, wenn wir unsere ökologische Nische zerstören – vorher sind wir selber weg.

„Die Konsequenz sollte sein, dass man mit allem etwas rücksichtsvoller umgeht.“

Soeben ist ein weiteres Kinderbuch von Ihnen erschienen, „Kommst du mit nach draußen?“, wie haben Sie den Lockdown außerdem genutzt und was planen Sie als Nächstes?

Neben einem neuen Format fürs Fernsehen schreibe ich gerade ein weiteres Buch für Erwachsene, in dem noch konkreter erläutert wird, wie Bäume lernen, vor allem mit dem Klimawandel umzugehen, das ist wirklich erstaunlich. Außerdem produziere ich einen neuen Podcast. Ich reise im Moment praktisch gar nicht und das ist sehr ungewohnt, aber so konnte ich den Lockdown sehr gut nutzen und in Ruhe meine Projekte abarbeiten, das ist auch ein Privileg.

Persönliche Kontakte fehlen mir dennoch, Essen oder was trinken gehen und Quatschen. Aber für meine Arbeit war das mal eine Pause von der beruflichen Hektik – insofern kann ich mich persönlich nicht beschweren.




Im Archiv haben wir das nachstehende Bild von Ihnen in einem Jack Wolfskin Outfit gefunden – können Sie sich daran erinnern und vielleicht die Geschichte zu diesem Foto erzählen?

Das muss so ungefähr 20 Jahre her sein. 1998 gab es die erste Kooperation zwischen Jack Wolfskin und mir. Ich wollte mir etwas einfallen lassen, um die alten Buchenwälder hier zu retten. Die sollten abgeholzt werden und ich habe der Gemeinde gesagt, ich biete jetzt Survival Trainings hier an. Keiner hat geglaubt, dass es funktioniert. Ich habe dann bei Jack Wolfskin nachgefragt, ob sie das unterstützen würden und sie waren gleich dabei und es wurde ein Erfolg. Den Schlafsack aus der Zeit habe ich übrigens immer noch. Der ist unkaputtbar und hat mich schon bei mindestens 50 solcher Survival Touren begleitet, sogar mal bei minus 16 Grad ohne Iso-Matte (und dafür ist dieser nicht einmal ausgelegt). Zuletzt war er übrigens erst vor zwei Wochen im Einsatz, da hat mein Sohn mit diesem Schlafsack im Wald übernachtet.


Ihr Sohn übernachtet mitten im Winter im Wald, in einem Jack Wolfskin Schlafsack von 1998?

Ja! Der ist immer noch tadellos.


Vielen Dank für das nette Gespräch, Herr Wohlleben.




„Natur ist Veränderung, man kann nichts festhalten.“

Michel Biel
Optimist und Umdenker

Der französische Schauspieler Michel Biel hat Charisma und Tiefgang. Eine Reise nach Indien veränderte sein Leben. Er lernte dort jedoch nicht nur Yoga, sondern auch die fatalen Folgen von Umweltverschmutzung für die Bevölkerung und insbesondere die Kinder kennen.

Über die sozialen Medien ruft er seine vielen Fans und Follower zu einem gemeinsamen, positiven Dialog und Umdenken auf. Kraft und Inspiration findet der Stadtmensch Michel Biel stärker denn je in der freien Natur.

„Das Leben ist zu kurz, um sich nicht auch um die sozial wichtigen Dinge zu kümmern. Es sind vielleicht nur kleine Schritte, aber es sind meine. Ich möchte meinen Beitrag leisten.“

Michel Biel ist ehrgeizig und stand bereits für namhafte Filmprojekte vor der Kamera. Einem internationalen Publikum wurde er besonders durch die Netflix Hit-Serie „Emily in Paris“ bekannt. In New York und London hat er das Handwerk des Schauspielers erlernt, Disziplin in der Arbeit und im Leben auch.


In seinem Leben spielt in den letzten Jahren aber auch die Natur eine immer größere Rolle. Über Social Media teilt er seine Eindrücke und ruft seine vielen Follower auch zu einem Umdenken auf – ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu machen.

Eine Reise nach Indien öffnete ihm die Augen, genauer gesagt die Sinne. Der Schauspieler konnte nicht nur sehen, wie der Müll die Landschaft entstellte. Er konnte das Ausmaß mit allen Sinnen erfassen. Er verschloss seine Augen nicht, sondern ließ sich auf diese Erfahrung ein. Seitdem hat er ein besonderes Interesse für die Themen Umweltverschmutzung und Nachhaltigkeit.

Er hat gesehen, wie Kinder auf den Müllhalden spielten und dort nach brauchbaren Gegenständen und sogar nach Essensresten suchten. Michel Biel liegt viel daran, dass Menschen in westlichen Ländern ihre Lebensweise, insbesondere ihre Kaufentscheidungen, zu überdenken lernen. Er selber legt Wert auf nachhaltige Marken, denn mit unserem Konsumverhalten kann jeder Einzelne schon etwas bewirken.

„Wertvolle Zeit in der Natur zu verbringen führt automatisch zu einem bewussteren und besseren Leben. Die Erde schärft unseren Instinkt, der uns dann auch wieder in eine bessere Richtung leiten kann.“

Michel Biel ist zwar ernst, der Optimismus in ihm ist aber klar herauszuhören. „Es sind die kleinen Schritte, die uns vorwärtsbringen“, betont er. Und diese Schritte sollten am besten draußen in der Natur gegangen werden. Denn wer draußen ist und mit allen Sinnen die Natur erfahren kann, der wird automatisch eine neue Verbindung zu sich und seiner Umwelt aufbauen.

Die Rückkehr zur ursprünglichen Naturverbundenheit ist für Michel zentral – als Ausgleich und Sport. Nach einer harten Woche am Set radelt er gerne mit dem Mountainbike die Berge hoch und nutzt dann den Reiz der Anziehungskraft, um wieder runter ins Tal zu schießen. Das Auspowern macht ihm sichtlich Spaß.

Dabei übernachtet er auch gerne mal mit Freunden draußen bei Minusgraden. „Mit der richtigen Ausrüstung geht das. Aber es ist stets ein Abenteuer!“ Und er geht gerne an seine Grenzen. Sein neuestes Projekt ist eine Solo-Alpenüberquerung für 15 Tage mit dem Mountainbike.

Heute geht es ihm um weit mehr als Sport. Er möchte in der Natur auch Ruhe finden und die wertvolle Unaufgeregtheit genießen. Über die sozialen Medien teilt er seine Einblicke und Erfahrungen. Viele seiner Fans sind Jugendliche aus der Stadt, die eher selten in die freie Natur finden. Ihnen versucht er den Weg ins Grüne und die positiven Auswirkungen der Natur auf uns Menschen näherzubringen.


Michel Biel nimmt sowohl seine Arbeit als Schauspieler als auch seine soziale Verantwortung ernst. Beides geht – das zeigt er uns auf seine lässige Art und Weise. Man nimmt dem sympathischen Mann aus Frankreich mit polnischen Wurzeln die Rolle einfach gerne ab.

Sandra Christina
Ausgleich in den Bergen finden

Die alleinerziehende Mutter Sandra Christina Ibl meistert die Gratwanderung zwischen Berufung und Freiheit.

Unter der Woche arbeitet die 35-Jährige aus Dingolfing in einer geschlossenen Anstalt. Dafür verbringt sie jedes Wochenende mit ihrer Tochter Magdalena in den Bergen und schläft am liebsten unter freiem Himmel. Magdalena liebt das Leuchten der Sterne – und Sandra die Freiheit und die Stille.


Halbe Sachen sind nicht ihr Ding. Sandra arbeitet Schicht in einer Psychiatrie für schwerstkranke Menschen. „Mein Traumjob. Ich wollte schon immer an der Seite der Schwachen sein“, sagt die Fachschwester bestimmt. Sie kümmert sich heute aus Leidenschaft und mit Hingabe um Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben.


Kein leichtes Unterfangen. Sandra arbeitet in einer geschlossenen Anstalt und ist dabei acht Stunden am Tag mit eingesperrt. „Es ist sehr belastend. Man muss damit klarkommen“, sagt sie. Ihr Zuflucht liegt hoch oben. In den Bergen tankt sie auf, dort lässt sie los.

„Es hat mit dem Wandern begonnen. Doch daraus wurde schnell Klettern und Bergsteigen“, erzählt Sandra. Die Dolce Vita in der Via Ferrata. Die Freiheit in den Bergen hat es ihr angetan.

In jeder freien Minute plant sie neue Routen oder ist bereits unterwegs Richtung Gipfelkreuz. Das Vorbereiten der Abenteuer bereitet ihr und ihrer Tochter ebenso viel Spaß. Dabei lernt Magdalena auch enorm viel.

„Im Zelt schläft sie am liebsten – ich auch“, so Sandra. Unter der Woche ist die Achtjährige bei den Großeltern. Die Familie hält in allen Lebenslagen zusammen. Am Wochenende sind Mutter und Tochter dann unzertrennlich und verbringen jede freie Minute im Grünen. Draußen fühlen sie sich ganz zu Hause.

„Freiheit ist das Größte.“

Wem die Berge einmal ihre Geheimnisse gezeigt haben, den lassen sie nicht mehr los. Die richtige Ausrüstung und Bekleidung spielen natürlich eine zentrale Rolle. Eine gute Ausrüstung lohnt sich“, versichert sie. Das Wetter kann schnell wechseln, wie im Leben. Hier oben ist es eben nie langweilig.


Selbstbewusst und selbst bestimmt jongliert sie zwischen Arbeit, Freizeit und Erziehung. Und wie immer gibt sie alles. Ihre Arbeit in der Psychiatrie erklärt sicher ihren Drang nach Freiheit und Bewegung. Sie weiß, dass ihre Patienten nicht raus dürfen.

„Da lernt man seine eigene Freiheit erst zu schätzen.“ Weshalb so viele Menschen von allein in den eigenen vier Wänden bleiben wollen, ist ihr ein Rätsel.

Als es mal während der Corona-Zeit eng wurde und man nicht raus durfte, haben Mutter und Tochter kurzerhand ein Zelt im Wohnzimmer aufgeschlagen. Kreativität gehört zu ihrem Leben dazu. „Wir haben das Zelt zugemacht und uns die Berge einfach vorgestellt.“ Wer im Kopf gewinnt, gewinnt im Leben.

„Die Berge lasse ich mir nicht nehmen. Und wenn wir nicht hingehen können, dann holen wir uns die Freiheit einfach nach Hause.“

Wenn man Magdalena fragt, was sie wählen würde, wenn sie zwischen dem Meer und den Bergen wählen müsste, zeigen ihre Finger sofort nach oben.


Es war auch hier oben in den Bergen, als in Sandra der Wunsch entstand, mit ausgewählten Patienten eine kleine Wanderung antreten zu können. Die frische Luft, die leichte Anstrengung und die Farben der Natur haben – und das wurde bereits durch zahlreiche Studien bewiesen – einen großen therapeutischen Effekt. „In der Natur steckt so viel Verspieltheit und Freude. Das kommt irgendwann auch beim Menschen an“. Ob sie so eine begleitete Wanderung auch bald umsetzen kann, ist noch nicht gewiss. Es ist Sandra aber durchaus zuzutrauen. Und es fällt auf: Auch hier draußen denkt sie stets loyal an das Wohlergehen ihrer Patienten.

Anna Heupel
Fotografin, Reisebloggerin und Jack Wolfskin Markenbotschafterin

Anna Heupel liebt die Magie des Lichts. Die Fotografin und Reisebloggerin ist Marken-botschafterin und ein ganz besonderer Teil des Jack Wolfskin Abenteuers.

Vor ihrer Kamera stehen oft Models, die eigentliche Hauptrolle spielt jedoch stets die Natur in all ihren Facetten. Anna hat gelernt, mit aufmerksamem Blick durch die Welt zu gehen. Sie ist eine Nomadin mit Kamera und braucht zum Leben wenig. Oft verbringt sie Wochen in ihrem Van, aber die Kamera muss stets dabei sein. Ihre Bilder sind im goldenen Licht getauft und tragen ihre besondere Handschrift der Tiefe und Weite. Sie strahlen eine Ruhe und fast schon meditative Gelassenheit aus. Die Protagonisten sind immer harmonisch in die Natur eingewoben. Kein Wunder also, dass ihre Arbeit so begehrt ist und sie am liebsten ihre Zeit draußen in der Natur verbringt.


Zuerst machte Anna eine Ausbildung zur Industriekauffrau und erwartete sich dadurch eine gewisse Sicherheit. Aber ihr Herz war woanders: draußen. Schon als Kind rannte sie mit der analogen Kamera ihres Vaters durch die Felder und Wiesen. Zum Glück hörte Anna auf ihr Herz und fasste nach der erfolgreichen Ausbildung ihren ganzen Mut und entschied sich entgegen aller Erwartungen Fotografin zu werden.

„Draußen fotografiere ich am liebsten. Hier fühle ich mich frei und habe Platz, um mich und das Model zu bewegen und sowieso geht für mich nichts über die Magie des natürlichen Lichts.“

Es war gewiss kein einfacher Schritt. Doch ihr Wagnis zahlte sich aus. Anfangs war es nicht immer leicht, aber sie ging ihren ganz eigenen Weg, was ihr wiederum Selbstbewusstsein und Kraft gaben. Mit ihrer Geschichte ruft Anna auch ihre vielen Follower auf, in sich hineinzuhören, ihren ganz eigenen Weg zu finden und zu gehen. Ein Weg zu dem auch immer etwas Mut gehört.

„Ich habe einen tiefen Respekt zum Leben und vor allem zu der Vergänglichkeit. Es ist so wertvoll! Deswegen lohnt es sich immer, Mut für eine Sache aufzubringen, die tief in einem brennt.“

Ihre Arbeit brachte Anna Heupel schon rund um den Globus. Zu ihren ganz besonderen Momenten zählen die Zusammen-arbeiten mit Jack Wolfskin. Unter anderem arbeitete sie an der erfolgreichen #GOBACKPACK Kampagne mit. „Unsere Zusammenarbeit ist geprägt von Kreativität und Vertrauen“, so Anna.


So ging es gemeinsam zur Entdeckungsreise in die mystischen Karpaten Transsylvaniens, im heutigen Rumänien. Dort wanderte und fotografierte sie gemeinsam mit anderen Influencern den „Wolftrail“.

„Der Wolftrail ist zwar anstrengend, aber eine wunderschöne und vor allem wilde und echte Erfahrung. Vielleicht hat man Glück und kann Wildtiere wie Bären beobachten.“

Der Weitwanderweg bietet ein exklusives Hiking-Abenteuer durch ursprüngliche Wälder in einer der größten Naturschutzregionen Europas. Neben einem unvergesslichen Naturerlebnis soll der Wolftrail auch das Bewusstsein für diese von illegalen Abholzungen bedrohte Region schärfen.

Eine andere Zusammenarbeit mit Jack Wolfskin brachte Anna nach Schweden und sollte ihr Leben verändern. Durch die #GOBACKPACK Kampagne im Jahr 2019 besuchte Anna mit ihrem Freund im VW Bus Schweden und nahm am Outdoor Camp von Jack Wolfskin Teil.

Bereits bei der Reise mit ihrem Van verliebte sie sich in Schweden und träumte mit ihrem Freund Timo von den alleinstehenden Häusern in der wilden Natur, die sie gesehen haben.

Im Anschluss des Camps im Sommer spürte sie ein Gefühl, lies ihren Rückflug nach Deutschland verfallen und reiste allein durchs Land, bis sie durch einen Zufall ein kleines Schwedenhaus am See fand. Kurzerhand kaufte sie das Haus mit ihrem Freund und gestaltet es aktuell zu einem wunderschönen Kreativprojekt, inmitten der wilden Natur Schwedens, um. Ein kleines Paradies, wie sie sagt. „Ich werde Jack Wolfskin für immer dankbar sein, dass mich die Arbeit nach Schweden führte. Ich verliebte mich sofort in das Land.“


Das Timing war perfekt. Die vielen Jahre der Arbeit in zahllosen Ländern rund um die Welt ließen Anna ihren Durst nach neuen Motiven und Abenteuern stillen. Sie sammelte Erfahrungen und vor allem auch einzigartige Bilder, aber ihr neues Haus in Schweden brachte sie jetzt wieder auf den Boden und zur Ruhe zurück: Back to the roots, wie sie sagt.

„Ich freue mich schon so auf die vielen Abenteuer, die noch auf mich warten. Aber sie können ebenso gut vor der Haustür stattfinden, wie in fernen Ländern. Ich nehme es so, wie es kommt.“

Dazu kam die veränderte Lage während der Pandemie, die Anna nutzte, um in ihrer Heimat Siegen zur Ruhe zu kommen, neue Projekte zu planen und die Wälder mit dem Rad oder zu Fuß zu erkunden. Sie genoss die Zeit mit ihrer Familie und nutzte diese langsame Phase kreativ und voller Motivation. Ihr wurde wieder bewusst, dass die besonderen Momente nicht unbedingt auf der anderen Seite der Welt sein müssen, sondern oft die perfekten kleinen Momente direkt vor uns liegen.


Ihre Gelassenheit und ihre Freude am Leben machen Anna Heupel authentisch und so sympathisch. Ihr künstlerisches Handwerk verleihen ihr internationale Anerkennung und Respekt. Wir blicken mit Zuversicht in die Zukunft und freuen uns auf viele weitere Projekte und Abenteuer mit Anna.

„Alles fügt sich, man muss nur auf sein Herz hören und den ersten Schritt wagen, was natürlich nicht immer so leicht ist.“

Wie alles begann
Ulrich Dausien gründet Jack Wolfskin

Vom Flohmarkthändler zum Großunternehmer: Ulrich Dausien hat mit viel Mut und Gespür für die Zielgruppe eines der größten Outdoor Unternehmen Euroas aufgebaut.
1981

Ulrich Dausien
Jack Wolfskin Gründer

Vom Flohmarkthändler zum Großunternehmer: Ulrich Dausien erzählt, wie er 1981 Jack Wolfskin gegründet hat
und was ihn dazu bewogen hat, wieder auszusteigen.

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Wie alles begann
Ulrich Dausien gründet Jack Wolfskin

Vom Flohmarkthändler zum Großunternehmer: Ulrich Dausien hat mit viel Mut und Gespür für die Zielgruppe eines der größten Outdoor Unternehmen Europas aufgebaut.

Um die Gründungsgeschichte von Jack Wolfskin zu erzählen, muss man ein paar Jahre früher ansetzen, irgendwann in den späten 70er Jahren. Ulrich Dausien, ehemaliger Pfadfinder, Sponti, Hausbesetzer und BWL Student mit ausgeprägtem Geschäftssinn, steht regelmäßig auf dem Flohmarkt am Eisernen Steg in Frankfurt und verkauft Palästinensertücher, Bücher, handbemalte Dosen aus Indien und Blechspielzeug. Ursprünglich wollte er so sein Studium finanzieren, aber das Geschäft läuft besser als erwartet und es dauert nicht lange, bis Ulrich Dausien seine ersten 10.000 DM zusammengespart hat.


Timing und Zufall

Wie in den meisten Erfolgsgeschichten spielen auch in dieser zwei wichtige Faktoren eine Rolle: der richtige Zeitpunkt und Zufall. Die Stimmung im Frankfurt der 70er Jahre ist geprägt von politisch engagierten Studenten. Es wird protestiert gegen das Establishment und für den Frieden. Die Umweltbewegung nimmt zunehmend Einfluss auf die Politik. Weltoffene junge Leute verspüren den Drang nach Freiheit und trampen quer durch die Republik oder erkunden per Interrail Europa. Auch Ulrich Dausien reist gerne mit Rucksack und stellt fest, dass der deutsche Markt in Sachen Backpacker Ausrüstung noch große Lücken aufweist.

„Für unsere Zielgruppe gab es damals auf dem deutschen Markt nichts. Und wenn der Markt leer ist, dann saugt er natürlich alles auf, was kommt.”

Der Zufall verschlägt Ulrich Dausien 1977 auf die Jagdmesse in Nürnberg, wo er aushilft. Hier trifft er durch einen noch größeren Zufall auf den Taiwaner Robin Hsu, der die Internationale Waffenausstellung mit der Internationalen Fachmesse für Sportartikel verwechselt hatte.

Vor allem damals ging es beim Jagen um geräuscharme Ausrüstung aus Loden und Wolle in gedeckten Farben und so war Robin Hsu mit seinen raschelnden gelben Nylonponchos und bunten Schlafsäcken komplett fehl am Platz. Ulrich Dausien erkannte aber sofort das Potenzial der Produkte für seine Zwecke und kauft mit seinem ersparten Kapital die gesamte Ausstellung ab.


Achtung Urlauber!

Zurück in Frankfurt verkauft Ulrich Dausien die neuartige Ausrüstung unter dem Namen “Hobbyt” aus seinem WG-Zimmer.

Werbung macht er mit Flyern, die er im Copyshop an der Uni auslegt. „Achtung Urlauber” steht darauf, „Bezüglich Rucksäcken, Zelten, Schlafsäcken, usw. sehen wir uns dem Angebot und den Preisen von Kaufhäusern und Sportgeschäften ausgeliefert. Hier ist die Alternative!”

Die Produkte wurden ihm aus den Händen gerissen und wenig später gründete er seinen ersten Outdoor Laden, benannt nach seinem alten Pfadfinderspitznamen Sine. 1981 ist aus Sine eine Franchise Kette mit 13 Filialen geworden. Ulrich Dausien entscheidet sich, eine neue Eigenmarke zu gründen, die qualitativ hochwertiger sein soll und bei deren Produktentwicklung er mehr Einfluss nehmen und auf die Bedürfnisse seiner Kunden eingehen kann.

„Ich habe von meinen Kunden erfahren, dass sie bereit sind, viel höhere Preislagen zu akzeptieren, als ich gedacht habe. Am Anfang waren wir sehr günstig, aber die Leute waren bereit, 250 Mark für eine Jacke auszugeben. Ich war vorher immer der Meinung, dass das zu teuer ist.”

Begegnung mit einem Bären

Die Idee für Jack Wolfskin ist geboren, aber die Marke hat noch keinen Namen. Der entsteht auf einer Reise mit ein paar Freunden in der Einsamkeit Alaskas, wo die jungen Abenteurer auf den Spuren des Autors Jack London wandern. Eines Tages fangen sie einen riesigen Lachs, grillen ihn und locken mit dem Duft einen Schwarzbären in ihr Lager. Der Bär holt sich seinen Teil des Fisches und verletzt dabei Ulrich Dausien mit einem Tatzenhieb an der Stirn.


Einige Tage später sitzen die Freunde am Lagerfeuer und veranstalten ein kleines Brainstorming, um den Namen der neuen Marke zu finden. Die Begegnung mit dem Bären war prägend, aber alle sind sich einig, dass ein Wolf noch besser die Werte der noch namenlosen Marke transportiert. Der Wolfspelz – Wolfskin – schützt den Wolf vor Wind und Wetter. Von Jack London leiht er den Vornamen und Jack Wolfskin ist geboren.

„Ich suchte nach einem Namen, der kernig, kraftvoll und international ist. Ich hatte eine ganze Reihe Kriterien, es musste ein Name so sein, dass er in den wichtigen Sprachen funktioniert. Das Pajero-Problem wollte ich nicht haben.”

„Während meines Marketingstudiums wurde mir schon klar: Richtig erfolgreich kannst du nur werden, wenn du eigene Marken kreierst und entwickelst.”

Das Potenzial zur Weltmarke

Gemeinsam mit seinen Sine Mitarbeitern und Outdoor-Freunden entwickelt Ulrich Dausien die Marke immer weiter. Produkte werden draußen im Einsatz getestet, kontinuierlich verbessert und neue Ideen werden umgesetzt. Im Mittelpunkt stehen dabei immer auch technische Innovationen und der Mut, Neues auszuprobieren.


Der Erfolg sollte ihm recht geben. Die Firma wachst immer weiter, generiert zehn Jahre nach Gründung zweistellige Millionenumsätze, und Ulrich Dausien erkennt noch immer ein gewaltiges unausgeschöpftes Potenzial. Er sieht aber auch, dass er die Finanzierung des rapiden Wachstums nicht weiterhin alleine stemmen kann. Also sucht er ‘91 nach einem Investor und findet ihn in der US Unternehmensgruppe Johnson Outdoors. Diese will aber nicht investieren, sondern gleich die ganze Firma kaufen. Das Angebot überrascht Ulrich Dausien, “Ich hatte nie gedacht, dass ich so viel Geld für das Unternehmen kriegen kann.” Er sieht die Möglichkeit für Jack Wolfskin eine Weltmarke zu werden, aber vielleicht kann das nur ohne ihn als Inhaber passieren.

„Letztendlich war mir die Firma wichtiger als zu sagen: ‘Sie gehört mir.”

1994 steigt Ulrich Dausien ganz aus dem Unternehmen aus, um gleich die nächste Erfolgsgeschichte mit McTrek zu schreiben. Jack Wolfskin ist heute einer der größten Outdoor-Hersteller Europas, und die Produkte sind weltweit in mehr als 500 eigene Stores und an über 4.000 Verkaufsstellen erhältlich.

Nick Gardner und die Munros
Die Challenge seines Lebens

Nick Gardner über seine Motivation
Der 80-jährige Brite möchte alle 282 Munro-Berge Schottlands innerhalb von drei Jahren besteigen - um Geld zu sammeln und Bewusstsein für Demenz und Osteoporose zu schärfen.

„Ich bin kein Held, nur ein ganz gewöhnlicher Typ.“

Was er vollbringt, ist jedoch alles andere als gewöhnlich. Denn selbst für jüngere Bergsteiger stellen die vielen Gipfel Schottlands eine Herausforderung dar. In abenteuerlichen Kurven führen die Pfade der Berge rauf und runter, oft entlang steiler Abhänge. Nicht selten muss er dort die Nacht im Schlafsack verbringen.


Das Ziel, diese Gipfel zu erklimmen, setzte er sich, als seine Frau mit einer schweren, lebensverändernden Krankheit diagnostiziert wurde. Nach dreißig Ehejahren erkrankte Janet, die Liebe seines Lebens, an Alzheimer, der häufigsten Form von Demenz. Nick betreute seine Frau so gut er konnte, doch bald kam er an einen Punkt, an dem er die Pflege alleine nicht mehr leisten konnte.


Bereits seit 2002 leidet Janet an der Knochenerkrankung Osteoporose. Das Paar führte immer eine sehr enge Beziehung und so war die plötzliche Veränderung für Nick sehr schwer zu ertragen. Er besucht Janet so oft er kann und die beiden erleben trotz schwieriger Umstände immer noch viele wertvolle Momente miteinander.

Mit 80 Jahren hat sich Nick neue Ziele gesetzt, die seine Liebe zu den Bergen und die Unterstützung von Organisationen, von denen Janet profitiert hat, kombiniert.

© Scott Jackson Photography (scojackson.com)

Nachdem Janet ins Krankenhaus gekommen war, erkannte Nick, dass er selber etwas gegen die innere Leere tun musste. Er fing an, in seiner Umgebung spazieren zu gehen, aber fühlte sich immer mehr von den Bergen angezogen.


Im April 2020 feierte er seinen 80. Geburtstag und entschloss sich, für den neuen Lebensabschnitt selber einer Herausforderung zu stellen. Er will alle 282 Gipfel der schottischen Munros innerhalb von drei Jahren besteigen. Diese Herausforderung vereint seine Liebe für die Berge mit einem guten Zweck. Er sammelt durch seine Besteigungen Geld für die Organisationen, die Janet in der schweren Zeit unterstützen.


Mit seinem festen Entschluss erwachte in ihm auch eine neue, ungeahnte Kraft. „Für Janet war es immer sehr wichtig, anderen zu helfen. Jetzt möchte ich das für sie weiterführen.“


Der Junge, der von den Bergen träumte 

Schon als Junge träumte er von den sagenumwobenen Bergen Schottlands. Dort wollte er auch eines Tages leben. Doch zuerst sollte sein Weg ein anderer sein. Er wurde Lehrer, heiratete und lebte ein normales Leben. Erst die zweite Ehe brachte ihm das ganze Glück. Nick erzählte Janet von seinem Traum und traf auf eine Verbündete. 


Die beiden zogen von England in die Highlands im Norden Schottlands. Neben gebirgigen Gegenden mit etlichen Munros prägen über weite Teile baumlose Moore die Highlands. Sie erwarben dort ein Haus mitten auf dem Land. Gemeinsam pflanzten sie im Garten Gemüse und lebten so gut sie konnten von der eigenen Ernte. Die beiden verband die Liebe zur Natur und ein nachhaltiger Lebensstil. 

„Ich bin so unendlich dankbar, dass ich Janet vor 32 Jahren getroffen habe.“

Er wollte seinem Leben wieder einen Sinn geben und er fand ihn in einem Dasein für einen größeren Zweck. Nick inspiriert damit auch andere Menschen. Die Geschichte des 80-jährigen und seines eisernen Willens hat sich inzwischen herumgesprochen.

Immer wieder schließen sich ihm Menschen allen Alters an und erklimmen gemeinsam mit Nick die Gipfel und kommen seinem Spendenaufruf nach. „Die Unterstützung und der Zuspruch spornen mich an weiterzumachen.“ Der Frieden und die Ruhe, die Nick in den Bergen findet, helfen ihm, die Sorgen seines Alltages zu verarbeiten.

„Die Berge waren meine Rettung.“

Die raue Schönheit Schottlands

Die kargen Weiten der Berge und die wilde Schönheit dieser Gegend besitzen seit Menschengedenken eine magische Anziehungskraft. „Ich fühle eine ganz enge Verbundenheit mit den Munro-Bergen“, sagt Nick. Als Munros werden alle Berggipfel Schottlands bezeichnet, die über 3000 Fuß (rund 915 m) hoch sind. Die Bezeichnung „Munro“ geht auf Sir Hugh Munro zurück. Er hatte sie anno 1891 allesamt gezählt – die Berge Schottlands, die höher als 3000 Fuß sind. Der fleißige britische Bergsteiger schaffte damals allerdings „nur“ 280 Gipfel. Nick will jetzt 130 Jahre später alle erreichen – und das mit 80 Jahren!


Die Anteilnahme spornt an

Nick Gardner wird morgen seinen Rucksack packen, seine wetterfeste Bergkleidung anlegen und unbeirrt wieder einen Gipfel besteigen.

„Die Tatsache, dass immer mehr wunderbare Menschen meinem Spendenaufruf nachkommen und mich unterstützen, spornt mich noch mehr an!“

Mit seiner Challenge und seinem Spendenaufruf unterstützt er zwei schottischen Forschungseinrichtungen für Alzheimer und Osteoporose (Alzheimers Scotland & Royal Osteoporosis Society). Die eingegangenen Spenden werden genau zwischen den beiden Organisationen aufgeteilt. „Ich sammele Spenden, um anderen zu helfen, die etwas Ähnliches durchmachen müssen.”


Wer mehr von Nick Gardner erfahren will und seine Munro-Challenge unterstützen möchte, findet hier weitere Informationen.


* Vielen Dank an Jay Golin für die Bereitstellung des Audiozitates.

„Wandern hat mir immer etwas sehr Positives gegeben.“

Jack Wolfskin steht für Fairness, Umweltbewusstsein und soziale Verantwortung

Die aktive Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verantwortung ist Teil des Selbstverständnisses und der Unternehmenskultur von Jack Wolfskin. Nachhaltigkeit ist seit der Gründung von Jack Wolfskin fest in unserer DNA verankert.

Der Schwerpunkt liegt auf vier Bereichen, in denen stetig große Fortschritte gemacht werden: aktiver Umweltschutz, Transparenz in allen Prozessen, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung. Denn wir möchten beweisen, dass Fairness und Umweltbewusstsein nicht im Gegensatz zu Unternehmenserfolg stehen.


Aktiver Umweltschutz

Produkte aus recyceltem Material, ausschließlicher Einsatz von Bio-Baumwolle, Verzicht auf PFC, PVC und Pelz, um nur einige Themen zu nennen – unsere Ziele treiben uns an, umweltfreundliche innovative Materialien zu entwickeln. Denn „Draussen zu Hause“ heißt für uns nicht nur, unsere Welt outdoor zu genießen, – sondern auch alles dafür tun, sie zu schützen.

Bereits seit 2010 sind wir Mitglied der unabhängigen Fair Wear Foundation (FWF) und leisten damit einen wichtigen Beitrag für die kontinuierliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungs- und Textilindustrie.

Wir arbeiten ständig daran, unser ökologisches Engagement weiter zu optimieren – auf jeder Ebene. Im Großen und im Kleinen. Wir nutzen 100 Prozent Ökostrom, senken die CO2-Emissionen auf Transportwegen.


Auch bei der Ausstattung unserer Stores setzen wir auf Nachhaltigkeit. Wir achten auf die Auswahl von langlebigen Natur-Materialien wie heimische Hölzer sowie auf den Einsatz von Bauteilen, die recycelbar sind und die Umwelt kaum belasten. Wichtig ist zudem die Wiederverwendbarkeit von Elementen. Darüber hinaus haben wir ein energiesparendes Lichtkonzept eingeführt.


Mehr zum Thema Umweltschutz findet ihr hier.


Transparente Lieferkette

Unsere Kund:innen möchten natürlich wissen, wo ihre Jack Wolfskin Produkte hergestellt werden und wie nachhaltig. Das ist mit Hilfe des Lieferantenkürzels auf jedem Etikett unkompliziert auf unserer Homepage zu erkennen. Dort veröffentlichen wir als erstes Unternehmen in der Outdoor-Branche unsere vollständige Zulieferer-Liste mit Detail-Informationen zu jedem Betrieb.


Hier zeigen wir auch die jeweiligen Kontrollergebnisse bezüglich fairer Arbeitsbedingungen, Abwassertests und den aktuellen bluesign®-Status. Die bluesign® Mitgliedschaft von uns und unseren Produktionspartnern stellt sicher, dass sichere Chemikalien in geschlossenen und sicheren Prozessen eingesetzt werden und keine Chemikalien in die Umwelt gelangen.


Zur besseren Übersicht haben wir unsere Lieferanten in drei Kategorien unterteilt, die den Nachhaltigkeitsstatus ihrer Herstellungsprozesse anzeigen: „Vorreiter“, „gut mit Verbesserungspotentialen“ und „in den Anfängen“. So kann jede:r Interessierte unsere Fortschritte erkennen.


Hier findet ihr mehr Informationen zum Thema transparente Lieferkette.


Nachhaltige Produkte

Mit außergewöhnlichen Technologien auf höchstem Niveau untermauern wir unsere Vorreiterrolle und herausragende Kompetenz bei nachhaltigen Innovationen. Die Schonung von Ressourcen und effektive Vermeidung von schädlichen Emissionen bei der Herstellung der Produkte stehen dabei im Zentrum unserer Bemühungen. Ein besonderer Fokus liegt auf Produkten, die aus recycelten Materialien hergestellt werden. Mit der revolutionären Texapore Ecosphere Technologie hat Jack Wolfskin 2018 als erster Bekleidungshersteller einen zu 100 Prozent recycelten Wetterschutz lanciert. Darüber hinaus haben wir es bereits im Sommer 2019 geschafft, den gesamten Bekleidungsbereich sowie alle Rucksäcke und Taschen ohne Einsatz von PFC herzustellen.

Ein wesentlicher Punkt unserer Nachhaltigkeitskonzepte ist die Herstellung von rundum hochwertigen Produkten für eine lange Haltbarkeit. Denn je länger unsere Stücke funktionstüchtig sind und getragen werden können, desto besser für die Umwelt.

Ein kleines Brandloch von Lagerfeuer? Kein Grund für ein neues Teil. Mit unserem Reparatur-Service sind kleine Schäden schnell behoben, Löcher wasserdicht geflickt – so ist das gute Stück schnell wieder voll funktionsfähig und fast wie neu. Unseren Reparatur-Service bieten wir seit der Gründung von Jack Wolfskin, also schon 40 Jahre lang an.


Mehr über unsere nachhaltigen Produkte erfahrt ihr hier.


Soziale Verantwortung

Faire, menschenwürdige und sichere Arbeitsbedingungen sind von zentraler Bedeutung für uns. Dabei spielt es für uns keine Rolle, ob es sich um unsere eigenen Mitarbeiter:innen oder Mitarbeiter:innen unserer Produzenten handelt. Um unserer sozialen Verantwortung nachzukommen, sind wir u.a. der Fair Wear Foundation (FWF) beigetreten und haben unsere Anforderungen in einem für alle Lieferanten verbindlichen Verhaltenskodex festgehalten.


Die Einhaltung unserer Anforderungen lassen wir regelmäßig von unabhängigen Prüfern und seit 2010 zusätzlich von der Fair Wear Foundation (FWF) vor Ort in den Fabriken kontrollieren – dabei haben wir 100 % unserer Partner im Blick. Die Ergebnisberichte dieser Besuche veröffentlichen wir auf unserer Homepage.


Damit jeder Arbeiter auch seine Rechte kennt – denn nur dann kann er sie einfordern – hängt unser Code of Conduct in jeder der Produktionsbetriebe gut sichtbar und in der jeweiligen Landessprache aus.


Hier findet ihr mehr Informationen zu unserem sozialen Engagement.


Mikroplastik – der kaum sichtbare Feind

Nicht nur die großen Mengen an Plastikmüll belasten unsere Umwelt, sondern zunehmend auch Mikroplastik, kleinste, kaum sichtbare Kunststoff-Teilchen. Mikroplastik entsteht auch beim Gebrauch von synthetischen Alltagsgegenständen – beispielsweise durch Tragen und Waschen von Kleidung aus Kunstfasern.

Das Problem: Die mikroskopischen Teilchen können selbst von Kläranlagen nicht vollständig herausgefiltert werden. Dadurch gelangen sie mittelfristig ins Meer. Forscher nehmen an, dass sie dort wie ein Schwamm Schadstoffe aufnehmen und dadurch das maritime Ökosystem sowie unsere Gesundheit gefährden. Denn die Mikropartikel werden von Fischen gefressen und gelangen auf diese Weise auf unseren Tellern.

Diese komplexe Plastikpartikel-Thematik gehen wir aktiv an und arbeiten an Möglichkeiten für ein ökologisch verträglicheres Handling. Dabei geht es uns nicht nur um Lösungen für unser Unternehmen und unsere Produkte. Unser Ziel ist, nachhaltige Optionen für die gesamte Textil-Branche weltweit zu entwickeln.


Aktuell beteiligen wir uns im Kampf gegen Miroplastik an den Projekten „STOP! MICRO WASTE“ und Outdoor Industry Microfiber Consortium.


Mit Partnern erreichen wir mehr

Im Verbund mit gleichgesinnten starken Partnern in der Bekleidungsbranche können wir bei den Lieferanten in allen Ecken der Erde in puncto Nachhaltigkeit mehr erreichen als alleine. Daher haben wir uns engagierten Verbänden und Organisationen angeschlossen.


Wir sind Mitglied in der European Outdoor Group (EOG), einer Vereinigung europäischer Outdoor-Unternehmen. Der Verband mit Sitz in Zug (Schweiz) hat eine Charta für Nachhaltigkeit in der Outdoor-Branche formuliert, die „Outdoor Industry Sustainability Charter“. Wir gehören zu den Unterzeichnern. Das Dokument manifestiert unsere Ziele und unseren Einsatz beim Thema Ökologie und Umweltschutz.


2020 hat Jack Wolfskin den Zertifizierungsprozess für den Grünen Knopf, einer Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), durchlaufen. Ab sofort sind eine große Anzahl Produkte mit dem Grünen Knopf zertifiziert und im Handel erhältlich. Das Produktsiegel ist ein staatliches Siegel für nachhaltige Textilien, das verbindliche Anforderungen an die Lieferkette stellt, um den Schutz von Mensch und Umwelt zu gewährleisten. Darüber hinaus sind wir letztes Jahr der Sustainable Apparel Coalition (SAC) beigetreten und werden damit die Instrumente der Gruppe zur Messung der Nachhaltigkeit, den Higg-Index, nutzen, um die ökologische und soziale Verantwortung in seiner gesamten Lieferkette voranzutreiben. Der Higg-Index wird mit einer Reihe von Instrumenten ermittelt, mit denen die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens oder Produkts genau gemessen und bewertet werden kann.


Wir haben schon viel erreicht und arbeiten immer weiter daran, unseren Planeten zu schonen und zu schützen. Alles zu den Maßnahmen, die wir in Sachen Nachhaltigkeit ergreifen und umsetzen, gibt es ausführlich in unserem Sustainability Book zum Nachlesen.